OhneFleisch

Heute gibt es einen Blogeintrag „außer der Reihe“, kein Rezept, keine Bilder von leckerem Essen. Warum? Ich möchte euch heute etwas davon schreiben, was sich bei mir in den letzten Monaten geändert hat.

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Vielleicht habt ihr mal auf unserer „Who loves“-Seite unsere grafischen Einschätzungen zu bestimmten essensrelevanten Themen gesehen (siehe rechts);  die stammen noch aus der absoluten Anfangszeit des Blogs. Da gibt es zum Beispiel die Dimension Vegetarisch – Fleischberg. Damals hatte ich mich auf der Skala ganz rechts, also bei Fleischberg einsortiert, weil das meinem Empfinden nach meine Essgewohnheiten oder zumindest meine Vorlieben am besten beschrieb. Da hat sich einiges getan.

Zunächst einmal bin ich in der Zwischenzeit ausgezogen und habe gemerkt, dass es einen Unterschied macht, ob man jede Kaufentscheidung selbst treffen und in der Küche umsetzen muss oder nicht. Schon damals war ich zwar auf dem Standpunkt, dass ein gutes Stück Fleisch eigentlich in die Hände eines Profikochs gehört, der es nach allen Regeln der Kunst zubereitet – ich selbst habe lieber die Finger davon gelassen. Nichtsdestotrotz habe ich nie darüber nachgedacht, abzulehnen, sollte jemand anderes für mich Fleisch kochen oder ich im Restaurant Fleisch serviert bekommen. Und wenn wir ehrlich sind, kommt man gerade in der traditionellen bayrischen Küche um Fleisch nicht herum.

Was ist da also passiert? Ich war eigentlich immer überzeugt, dass die meisten Leute, die gerne (und darauf liegt die Betonung) kochen und essen, wissen woher die Lebensmittel stammen, die sie verarbeiten. Dazu gehört auch das Wissen, dass Tiere in Deutschland mehrheitlich aus Massentierhaltung stammen und dass man diese Tatsache – um es vorsichtig zu formulieren – durchaus kritisch sehen kann. Und doch haben sie, sollte hin und wieder ein schlechtes Gewissen sie geplagt haben, Strategien entwickelt, um das erfolgreich beiseite zu schieben. So war es auch bei mir: ich habe immer gewusst, dass ich Fleisch aus Massentierhaltung kaufe, wenn ich im Supermarkt einkaufe und ich habe auch immer gewusst, dass ich das im Grunde nicht gut finde. Trotzdem war ich nie konsequent genug, um davon Abstand zu nehmen.

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Ein erster Schritt in diese Richtung war der konsequente Gang zum Metzger. Ich war es immer gewohnt, einen Teil meines Fleisches und den größten Teil der Wurst vom Metzger zu beziehen und einen anderen Teil aus dem Supermarkt, weil ich eben eh dort war oder weil es so „praktisch“ verpackt ist. Von nun an sollte mein Fleisch nur noch in Notfällen (was auch immer das dann heißen mochte) aus dem Supermarkt kommen.

Ein tatsächlicher Wandel im Denken überkam mich dann aber, nachdem ich innerhalb weniger Monate mehrere Reportagen über die Herkunft unserer Lebensmittel gesehen oder gelesen hatte, nach denen ich mir sagte: „Das kann es doch wirklich nicht sein.“ Männliche Küken, die lebendig in Mülltonnen geworfen werden, weil sich ihre Aufzucht nicht lohnt und eine ordentliche Tötung wohl zu viel kostet. Die Garnelenindustrie, die nur funktioniert, weil Sklaven auf den Schiffen gehalten werden, die das Garnelenfutter an Land holen sollen. Muskelkühe, deren Gendefekt bewusst weiter gezüchtet wird, obwohl sie nur noch über Kaiserschnitt Kälber zur Welt bringen können. Und so weiter und so fort.

Immer öfter stand ich also im Supermarkt vor dem Fleisch und: es ekelte mich. „Notfall“ hin oder her, dachte ich mir, es geht auch ohne Fleisch. Und mittlerweile schaue ich die Produkte schon gar nicht mehr an und ich bin ein bisschen stolz, dass ich soweit gekommen bin.

Wenn ich jetzt also Fleisch kaufe, ist der Gang zum Metzger etwas Besonderes, die absolute Ausnahme. Ich kaufe es in dem vollen Bewusstsein, dass ich auch ohne Fleisch gut leben kann, aber dass es hin und wieder gute Gründe für Ausnahmen gibt, weil es zu manchen Anlässen einfach passt.

Wie ist das bei euch? Welche Rolle spielt Fleisch auf eurem Speiseplan? Schreibts in die Kommentare, ich bin gespannt darauf von euch zu hören! :)

Eine schöne Weihnachtszeit wünscht euch
Michi

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Lebkuchen-Pralinen: winterliche Nascherei

Wenn es im Spätsommer darum geht, die Lebkuchen- und Plätzchen-Schwemme im Supermarkt zu ignorieren, bin ich Profi. Mich lässt das völlig kalt; höchstens provoziert es das allseits bekannte Gefühl von „jedes Jahr geht das früher los“. So oder so: ich würde auch im Dezember keine Lebkuchen kaufen, denn in aller Regel bekommt man ja am Ende des Jahres hier und da etwas geschenkt und auch sonst genug Gelegenheit, um ausgiebig zu essen.

Ein solches Geschenk überraschte mich letztes Jahr irgendwann in der Adventszeit in Form eines kleinen Schächtelchens Pralinen: Lebkugeln aus Nürnberg. Die geniale Erfindung des fränkischen Chocolatiers Wolfgang Marx, Lebkuchen als Basis für weihnachtliche Pralinen zu benutzen, hat es mir sofort angetan, denn die Kugeln schmecken schlichtweg umwerfend. Seidig-cremig und fein schokoladig, aber auch gehaltvoll und daher ein klein wenig sündig. :) Was laut Etikett drin ist, beschränkt sich auf die wenigen Zutaten Lebkuchen, Sahne, Zucker, Lebkuchengewürz und Kuvertüre.

Als ich nun dieses Jahr erneut so ein Schächtelchen geschickt bekam, hat mich der Ehrgeiz gepackt. So kompliziert kann das doch nicht sein, dachte ich mir. Und ich kann euch sagen: ist es auch nicht! (Wenn man mal von der Komplexität der Kuvertüre-Anwendung absieht) Ich habe ein wenig experimentiert und kann euch hier von meinen Erkenntnissen berichten. Das Ergebnis ist nach zwei Versuchen einerseits weit entfernt von dem, was wohl hinter den original Lebkugeln steckt – dafür habe ich einfach auch zu wenig Ahnung von Confiserie. Andererseits ist es geschmacklich auch schon ziemlich nah dran, weil die Zutaten so überschaubar sind.

Ich habe zwei Varianten hergestellt: bei der ersten besteht die Pralinenmasse aus Lebkuchen, Sahne und etwas Kakao. Bei der zweiten habe ich einen Teil Lebkuchen durch fein gemahlene Mandeln ersetzt und auch dieses Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Kugeln werden etwas lockerer und haben so ein (für meinen Geschmack) angenehmeres Mundgefühl. Ich habe aber auch Rückmeldungen von Testern erhalten, die die pure Version genau wegen des cremigeren Geschmacks schätzen…

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Die Mühe, selbst Lebkuchen zu backen, wollte ich mir für dieses Experiment nicht machen; stattdessen habe ich versucht herauszufinden, wie man den Aufwand möglichst gering halten kann. Meine ursprüngliche Vorstellung war, unglasierte Lebkuchen zu verarbeiten; die sind aber gar nicht so leicht zu bekommen. Überall ist schon Zucker oder Schokolade drauf. Letztlich ist es ein Kompromiss geworden: selbst gebackene Lebkuchen aus fertigem Lebkuchenteig. Für die Kuvertüre fand ich den zugehörigen Wikipedia-Artikel und diese Seite sehr hilfreich.

Für 16-18 Stück

150g Lebkuchen
50g fein gemahlene Mandeln
ca. 35g Sahne

150g + 20g Kuvertüre
ein Küchenthermometer

01-gelb Lebkuchen zerbröseln, reiben oder im Standmixer zerkleinern. In einer Schüssel mit den Mandeln vermengen und die Sahne unterrühren, bis sich eine Masse zu bilden beginnt. Anschließend mit den Händen kurz verkneten und prüfen, ob die Masse formbar wird. Portionen von ungefähr 14 oder 15 Gramm herstellen und mit den Händen zu Kugeln formen. Zur Seite stellen, damit sie Zimmertemperatur annehmen können.

Lebkuchen-Pralinen

02-gelb Nach Belieben die Kugeln mit Schokolade überziehen: dazu Kuvertüre im Wasserbad erwärmen, bis sie 50°C erreicht, dann vom Wasserbad wegziehen. Auf ca. 40°C abkühlen lassen und die schon geschmolzene Schokolade unter Rühren mit den restlichen 15 bis 20 Gramm „impfen“. Die Temperatur sinkt dabei weiter. Ab ca. 32°C ist die Kuvertüre fertig zur Verarbeitung. Mit einem kleinen Löffel prüfen, ob die Schokolade „anzieht“: sie sollte innerhalb weniger Minuten matter und fester werden. Die Pralinen vorsichtig in die Schokolade tauchen und auf einem Blech aushärten lassen. eat one. have another.

Lebkuchen-Pralinen

Lebkuchen-Pralinen

 

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Als ich neulich in meinem Kühlschrank einen fast schon vergessenen Gorgonzola entdeckte, hat mich die Lust auf etwas Neues gepackt. Ich liebe den pikanten Käse und ganz besonders liebe ich ihn in Kombination mit Pasta – gekauft hatte ich ihn also für eine simple Gorgonzola-Sahne-Sauce. Beim googlen bin ich aber auf dieses Rezept gestoßen und schon beim Lesen ist mir das Wasser im Mund zusammengeflossen! Ich musste unbedingt testen, ob diese vielen Aromen dem dominanten Gorgonzola Paroli bieten können.

In meiner Version habe ich bewusst auf den halben Becher Sahne und den Parmesan verzichtet und lieber mehr (milden) Gorgonzola genommen – das lässt sich aber nach Belieben recht gut variieren. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass die Pasta die Sauce sehr schnell „aufsaugt“ – für diesen Fall behalte ich immer einen Becher vom Nudelwasser zurück, von dem ich noch Flüssigkeit zugeben kann.
Irgendwann möchte ich das Gericht auf jeden Fall noch einmal mit frischen Feigen nachkochen. Das schmeckt sicher noch einmal ganz anders. :)

GorgonzolaFeigeZitrone

Hier kommen viele würzige Zutaten in die Sauce.

 

Für zwei

250 g Spaghetti

1 EL Butter

1 Bio-Zitrone

1 EL Rosmarin, fein gehackt

2 Knoblauchzehen

1 TL Chiliflocken

4 Soft-Feigen

1 Schuss Sahne

200 g milder Gorgonzola

frisch gemahlener Pfeffer, evtl. Salz

1 kleine Paprikaschote

 

01-gelb Von der Zitrone die Schale abreiben und den Saft auspressen. Knoblauch schälen und fein hacken. Feigen in kleine Stücke von ca. 0,5cm schneiden.  Paprikaschote entkernen, waschen und in sehr feine Stücke/Streifen schneiden. Wasser zum Kochen bringen und die Nudeln darin bissfest garen.

02-gelb Währenddessen die Butter in einer großen Pfanne zerlassen, Zitronenschale, gehackten Rosmarin, Knoblauch und Chiliflocken dazugeben und einige Minuten bei sehr kleiner Hitze anschwitzen. Die Feigenstücke zugeben und kurz stark erhitzen. Mit der Sahne und dem Zitronensaft ablöschen und auf kleiner Flamme gut verrühren. Den Gorgonzola in Stücken zugeben und schmelzen lassen. Fertige Pasta und Paprikastreifen zugeben und mit Pfeffer und evtl. Salz abschmecken, servieren. eat it. love it.

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Wichtig bei langen Nudeln: Zutaten klein schneiden!

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Und? Habt ihr auch Lust bekommen, mit eurer Gabel hier einzutauchen? :)

 

Vor noch gar nicht allzu langer Zeit fand ich Avocado doof. Gar nicht lecker, muffig und vor allem viel zu schmierig und zu fettig. Guacamole? Wie Babybrei mit Butter. Dachte ich. Aber irgendwie finden im Moment so richtig viele Foodblogs Avocado so richtig gut. Und BuzzFeed erst! Gefühlt wird man als Foodie den ganzen Tag mit Avocadorezepten zugeschüttet. Und so keimten in mir Zweifel auf. War nicht etwa die Avocado falsch – sondern ich? Also gab ich, Opfer des Avocadofangruppenzwangs, der Frucht noch eine Chance. Und wie das so ist mit neuen Dingen, schmecken sie am Anfang vielleicht noch solala, dann irgendwann gar nicht so schlecht, plötzlich gut und dann so richtig gut. Und jetzt fahre ich auf Avocado ab.

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Die Sache mit der Vorratshaltung habe ich leider noch nicht so ganz heraus. Die Teile werden einfach zu schnell überreif und sind dann ungenießbar. Als ich mal wieder ein angeschnittenes Exemplar im Kühlschrank liegen hatte, wusste ich: Diesmal nicht, Freundchen! Und so entschied ich mich, meine abendliche Pasta zum Avocadoresteessen zu machen. Das Pesto war so schnell zusammengemixt, bis dahin schaffen es höchstens sehr dünne Spaghetti, al dente zu werden.

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Viele Zutaten sind es gar nicht: Ein wenig Basilikum und Parmesan dazu, Zitronensaft für den gewissen Frischekick und dazu noch ein paar Streifen rote Paprika. Ich habe sowohl eingelegte Paprika aus dem Glas als auch frische, rote Spitzpaprikastreifen versucht. Beide Varianten waren sehr lecker, die eingelegten waren eher säuerlich, die frischen fruchtig: Insofern: Geschmackssache, probiert es einfach aus. Für die richtige Schärfe sorgt ein wenig rosa Pfeffer als Topping – wer den nicht zur Hand hat, sollte mit etwas Chili oder Cayennepfeffer nachhelfen.

für zwei Portionen

200 g Vollkornnudeln

1 reife Avocado

4 eingelegte rote Paprika

oder 1 rote Spitzpaprika

Saft von 1/2 Zitrone

25 g Basilikumblätter

3 EL geriebener Parmesan

Salz, Pfeffer, rosa Pfefferbeeren

01-grün  Nudeln bissfest kochen. Währenddessen die Avocado schälen, Basilikumblätter waschen und tropfentupfen. Blätter mit dem Avocadofruchtfleisch in einen hohen Mixbecher geben und pürieren. Den Zitronensaft und den Parmesan unterrühren, kräftig mit Salz und Pfeffer würzen.

02-grün  Eingelegte Paprika auf Küchenpapier abtropfen lassen, frische Paprika waschen und entkernen. Egal welche Paprikasorte, diese in feine Streifen schneiden. Eine Schöpfkelle Nudelwasser abschöpfen und Nudeln abgießen, kurz abtropfen lassen und im Topf mit dem Avocadopesto vermischen. Bei Bedarf etwas vom Nudelwasser hinzufügen, sodass alle Nudeln gleichmäßig mit dem Pesto vermischt sind. Auf Tellern verteilen, mit Paprikastreifen und rosa Pfefferbeeren garnieren. eat it. love it.

Lange ist es her, da haben wir für euch regelmäßig die Vapiano-Specials getestet – irgendwann waren wir soweit, dass wir in der ersten Woche jeder Specialrunde im Vapiano standen, natürlich mit Begleitung, und uns durch fast alle Gerichte futterten. Warum wir damals aufgehört haben, haben wir bei der letzten schnellen Review vor zwei Jahren ausführlicher erklärt. Wir merkten, dass wir immer öfter nur noch negative Kritik auszusetzen hatten und uns irgendwann gar nicht mehr darauf freuten, die Specials für euch zu probieren. Eine Ausnahme: Die Herbstspecials, die fast immer unseren Geschmack trafen. Als wir uns also am Wochenende für einen Kinobesuch trafen, statteten wir dem Münchner Vapiano in den Fünf Höfen einen Besuch ab und machten zumindest einen kleinen Test der halben Special-Karte.

Dort stellten wir zu unserer Überraschung fest: Specials kosten wieder so viel wie vor drei Jahren. Deflation? Ne, eher wieder realistische Preise. Vegetarische Gerichte für etwa sieben Euro, das Gericht mit Rind für knappe neun Euro – das geht im Vergleich zur Standardkarte gut durch. Und auch sonst las sich alles, als hätte man es so schon länger nicht mehr auf dem Teller gehabt.

Michi & Tina: Orientalische Küche kam auf diesem Blog zwar bisher noch nicht wirklich vor, wir stehen momentan aber beide darauf. Kann es sein, dass Hummus gerade Trendessen wird? Wie auch immer, wenn ja, dann haben die Specialköche hier einen Nerv getroffen. Die Insalata Levante mit Hummus, Kichererbsen und getrockneten Datteln klang nach garantiertem Genuss für uns. Im Vergleich zu den anderen Salaten sind die Specialsalate immer relativ klein, deshalb haben wir ihn uns als Vorspeise gegönnt.

Erste Enttäuschung: Die Datteln waren aus. Stattdessen hat uns der Koch eine Scheibe Parmesan empfohlen. Der ist zwar genau das Gegenteil von süßem Obst, aber wir waren froh darum, denn die Masse an Tomaten-Dressing war definitiv süß genug. Due Sauce hat leider auch die feinen Aromen von Spinat und Mangold überschwemmt. Auf dem Bild nicht zu sehen: die esslöffelgroße Portion Hummus, die unter dem Salat versteckt lag, aber die Suche wert war. Insgesamt keine Fehlentscheidung, aber auch kein Must have.

Insalata Levante, 7,25 €, gegessen im Vapiano München Fünf Höfe

“Zarter Babyspinat, Mangold und viele aromatische Wildkräuter, dazu getrocknete Datteln, Kichererbsen, frische Tomaten und zum Dippen hausgemachter Hummus, eine Kichererbsencreme. Vollendet mit unserem hausgemachten Tomaten-Dressing.”

Michi: Ah, Puttanesca! Für mich gibt es diese Pasta immer dann, wenn ich ganz für mich alleine bin, denn ich kenne tatsächlich niemanden, der sich mit Oliven, Kapern oder Sardellen so richtig anfreunden kann – vom diesem Dreigespann in der Puttanesca ganz zu schweigen. Ich persönlich verstehe es ja nicht: die Kombination aus herben Zutaten funktioniert für mich ganz wunderbar.

Was hier definitiv den Ton angibt sind die Sardellenfilets, denn die sind vor allem eines: salzig. Wer sich für dieses Gericht entscheidet, sollte also dringend ein Getränk dazu bestellen. Ich könnte auch gut mit weniger Sardelle leben, dann hätten vielleicht auch die Kapern und die Oliven noch eine Chance. Ansonsten ist die Sauce schön tomatig, die Menge genau so, dass die Nudeln nicht darin ertränkt werden, so wie sie eben sein muss.

Fazit: Wer wie ich auf derart kräftige Gerichte steht, für den ist die Pasta Puttanesca genau richtig – klare Genussempfehlung!

Pasta alla puttanesca, 7,00 €, gegessen im Vapiano München Fünf Höfe

“Original italienisch – Sardellen, Kapern, Oliven und Oregano in unserer hausgemachten Tomatensauce.”

Tina: Ich bin in letzter Zeit auf den Kürbis gekommen. Praktisch, dass ich meinen Gelüsten gleich in Pastaform nachgeben konnte. In der Theorie klang die Pasta con zucca piccante nach Geschmacksexplosion aus Schärfe, Kürbis und Kokos, die ja inzwischen zu einer Standardkombination geworden ist. Leider gab es dann statt der Explosion nur ein wenig Kitzeln am Gaumen: Scharf wurde es, sobald ich auf eines der großen Chilistücke biss (dann aber so richtig), ansonsten blieb das Aroma etwas flach. Die Sauce selbst schien zu wenig Schärfe abbekommen zu haben, und durch die zugegebene Kokosmilch wurde diese natürlich noch gemildert. Der Kürbisanteil in der Sauce war dafür genau richtig.

Die hinzugebenen Würfel vom Hokkaidokürbis waren dagegen leider nahezu roh. Gerade so essbar. Dadurch, dass der Koch statt “Campanelle” wohl “Pappardelle” verstanden hat, ging das mit dem gemeinsamen Aufspießen von Nudel und Kürbis auch nicht allzu gut. Wunderbar dazu gepasst haben aber die Pinienkerne und der Pak Choi. Von Letzterem hätte es ruhig etwas mehr sein dürfen, da also gerne nach ein wenig mehr Grün im Gericht fragen.

Insgesamt eine schöne, wunderbar herbstliche Zusammenstellung, die leider in der Ausführung nicht so ganz gelungen ist. Mein Tipp deshalb: Auf die angebratene Chilischote verzichten und dafür die gesamte Sauce mit etwas scharfem Öl am Tisch aufpeppen, das macht die Sache runder.

Pasta con zucca piccante, 7,00 €, gegessen im Vapiano München Fünf Höfe

“Pak Choi, frischer Chili und Pinienkerne in unserer hausgemachten Kürbissauce, verfeinert mit Kokosmilch. Ein leckeres Extra sind unsere gebratenen Scampi.”

 

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Orecchiette Masala – Italien trifft Indien

Orecchiette_Masala Wie steht ihr zu indischem Essen? Ich muss ja zugeben, dass ich da immer ein bisschen skeptisch war (und wohl immer noch bin), weil ich nicht so ganz nachvollziehen kann, warum man getrocknete Gewürze in Form von Gewürzmischungen den frischen Produkten vorzieht. So bin ich das aus der thailändischen Küche gewohnt und das finde ich auch nach wie vor die schickere Version (süd)asiatischen Essens. Aber wer wird schon Äpfel mit Birnen vergleichen… ;) Vermutlich hat also auch die Verwendung der diversen Pulver ihre Vorteile, zumindest ist die Haltbarkeit kaum ein Problem. Da ich noch von einer Geburtstagsfeier für einen Indien-affinen Freund eine Unmenge Garam Masala im Schrank hatte, ließ ich mich für dieses Rezept einfach mal von der Experimentierfreude packen. Mit dem Ergebnis bin ich echt zufrieden! Was mögt ihr an indischem Essen? Schreibts in die Kommentare, ich bin gespannt auf eure Erfahrungen!

Für vier Portionen

250 g Pasta

1 Süßkartoffel (ca. 350 g)

1 Paprika

1 Karotte

1 kleine Zwiebel

3 kl. grüne Chilischoten

1,5 TL Garam Masala

1,5 TL Currypulver

0,5 TL Korianderpulver

300 g Joghurt

1 EL Zucker

01-gelb Süßkartoffel schälen und in ca. einen Zentimeter große Würfel schneiden. Paprika waschen und in Stücke schneiden, Karotte schälen und stifteln. Zwiebel schälen und fein hacken. Chilischoten in Ringe schneiden.

02-gelb Im Wok die Zwiebel in etwas Öl anschwitzen, Süßkartoffelwürfel dazu geben und bei großer Hitze einige Minuten anbraten. Wenn sie zu bräunen beginnt, auf mittlere Hitze herunterschalten, einen Schluck Wasser zugeben und mit geschlossenem Deckel garen. Das dauert ungefähr 15 Minuten. Währenddessen die Pasta kochen.

03-gelb Die Chilischoten und Karottenstifte mit in den Wok geben, ungefähr sechs Minuten bevor die Pasta fertig ist. Nach zwei Minuten auch die Paprika zugeben. Nun die Gewürzpulver dazu geben und alles gemeinsam mit dem Joghurt gut verrühren. Mit Salz und Zucker abschmecken und die fertige Pasta unterrühren und servieren. eat it. love it. Orecchiette_Masala

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Zum Dank: ein Brunch

Ich bin vor einigen Wochen umgezogen, und erst jetzt würde ich so langsam behaupten, dass die Wohnung fertig ist. Klar, an manchen Stellen fehlen noch Kleinigkeiten. Aber insgesamt ist die Wohnung nun nicht nur bewohn-, sondern auch vorzeigbar. Höchste Zeit also, ein paar Leute einzuladen. Die besten Premierengäste: Natürlich die Freunde, die beim Umzug geholfen haben.

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Die kannten die Wohnung bisher größtenteils nur im IKEA-Baumarkt-Holzstaub-Schrauben-Modus, haben die Arbeitsplatte für meinen neuen Herd ausgesägt, haben mit mir Schränke fluchend aufgebaut und mit dem Schlagbohrer erkundet, wie viele unterschiedliche Wandmaterialien eine fünf Meter lange Wand so zu bieten hat. (Viele.) Von diesen ganzen Ärgereien ist in der Wohnung nun glücklicherweise nichts mehr zu sehen. Stattdessen stand eine fertig gedeckte Tafel bereit, Kaffee war gekocht und im Ofen stockte die Frittata, als die Gäste kamen.

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Zum Einzug habe ich, ganz klassisch, selbstgebackenes Weißbrot (die Scheiben, die obenauf im Brotkorb liegen) und Blütensalz bekommen, dazu noch ein paar orientalische Gewürze und Hibiskusblüten in Sirup. Mit denen wollte ich schon immer einen Aperitiv ausprobieren. Für den Brunch gab es jedoch erst einmal Pfirsich-Thymian-Bellini. Auf dem Tisch standen Ziegenkäse-Tomaten-Scones, Quiche Lorraine, versunkener Zwetschgenkuchen und selbstgebackenes Quinoa-Knusper-Müsli mit Obst und Sahnejoghurt bereit. Die Zucchini-Feta-Frittata habe ich in den Ofen geschoben, als die ersten Gäste unten geklingelt haben. Und zum Brot gab es Forellencreme, selbstgemachte Birnen-Schokoladen-Marmelade, Himbeermarmelade und Honig. Das erste Großprojekt hat die kleine Küche hinter sich – nur ‘ne Spülmaschine wäre noch ganz nett. Aber für die gibt’s nun echt keinen Platz mehr…

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Insalata Caprese mit Pfirsich

Eigentlich kann ich Tomate-Mozzarella-Salat echt nicht mehr sehen. Zu oft wurde ich schon enttäuscht, zu oft gab es mehlige Gewächshaustomatenscheiben mit gummiartigem Mozzarella, ertränkt in saurem Balsamico. Umso mehr wundere ich mich eigentlich jetzt noch, welche Eingebung mich an einem der heißen Tage in den letzten Wochen da so traf. Nämlich: Du willst Tomaten-Mozzarella-Salat. Und: Du willst ihn mit Pfirsich.

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Geht so etwas überhaupt? Und wie das geht. Sehr gut sogar. Besser, als die Küchenmuse, die mich da geküsst hat, es mir je hätte erzählen können! Gerade bei Rezepten mit so wenigen Zutaten kommt es natürlich umso mehr auf die Qualität dieser an. Deshalb: Investiert ein paar Cent mehr in guten Büffelmozzarella, kauft frische und aromatische Pfirsiche und Tomaten und träufelt so ein bisschen von eurem besten Balsamico oben drüber.

Bei mir gab es außerdem ein wenig von dem tollen Olivenöl, das mein Taufpate aus Zakynthos geschickt hat – nicht jedermanns Sache, weil es sehr intensiv nach Olivenöl schmeckt, aber für diesen Zweck genau richtig. Ahja, und vergesst den Basilikum nicht. Und ordentlich Salz und Pfeffer, das verträgt der Pfirsich nämlich sehr gut. Geschehen ist das alles schneller, als ihr es essen könnt – vor lauter “Mhmhmhmmmm…” zwischendurch.

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für zwei Portionen

zwei große oder vier kleine Tomaten

zwei gelbe Pfirsiche

1 Kugel Büffelmozzarella

Basilikum

Salz, Pfeffer

alter Balsamico, Olivenöl

01-grün  Tomaten und Pfirsiche waschen und in etwa 1/2 cm dicke Scheiben schneiden. Büffelmozzarella halbieren, abtropfen lassen und danach ebenfalls in Scheiben schneiden. Auf einem Teller abwechselnd anrichten, großzügig salzen und pfeffern und mit etwas Balsamico und Olivenöl beträufeln. Mit Basilikumblättern garnieren und servieren. eat it. love it.

Es gibt Urlaube, die vergisst man nie. Und Gerichte, die man im Urlaub isst, die sich sofort von der Zunge direkt ins Hirn (vielleicht noch mit einem Umweg, der einen freudig “Boah ist das gut!” sagen lässt) schieben und die man nicht mehr vergisst. Bei manchen mag das Sterneküche sein, bei mir waren das bisher meistens echt simple, aber unfassbar gut gemachte Gerichte. So wie dieses hier.

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Vor fünf Jahren war ich in Berlin. Meine Begleitung und ich waren ausgehungert, es war Juli und heiß, wir wollten Nudeln, wir hatten keinen Ahnung, wohin wir gehen sollen. (Es war noch eine smartphonefreie Zeit, heute unvorstellbar!) Also liefen wir hungrig und planlos durch Berlin-Mitte. Am Friedrichstadtpalast entdeckten wir einen kleinen Laden, Giotto, der uns mit einer einfachen, guten Karte und schickem schwarz-weißen Design überzeugte. Außer uns war der Laden fast leer. Eigentlich ein schlechtes Indiz, aber wir hatten Hunger. Der Service war außerordentlich gut, wir bekamen als Vorspeise sensationelle Crostini, von denen ich heute noch träume, und als Hauptgang stellte uns der Koch Tris di Pasta, also dreierlei Nudelgerichte, zusammen.

Eines der Gerichte auf meinem Teller war eine wunderbar frische Tomatensauce, simpel und aromatisch. Dazu ein wenig Basilikum und Mozzarella, fertig. Das Tolle daran war aber, dass der Käse nicht kleingeschnitten oder gar geschmolzen war – eine halbe Kugel thronte kalt auf den heißen Nudeln und schmolz durch deren Wärme von außen leicht an. Dadurch ist das Gericht wunderbar frisch, trotzdem hat man immer wieder Stücke von geschmolzenem Käse auf der Gabel.

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Jedes Mal, wenn ich seitdem in Berlin war, habe ich zumindest einen kurzen Blick riskiert, ob es das Giotto noch gibt – und es existiert noch. Gegessen habe ich darin seitdem nicht mehr (gibt ja noch einige Berlin-Tipps, die ich abzuarbeiten habe), aber vergessen hab ich die Nudeln seit fünf Jahren nicht. Diese Variante ist für mich seitdem die Lieblingsmöglichkeit, wenn es um Nudeln mit Tomaten und Mozzarella geht.

für zwei Portionen

200 g Nudeln

500 g frische Fleischtomaten

1 kleine Zwiebel

2 Knoblauchzehen

3 EL Olivenöl

1 Kugel Büffelmozzarella

Basilikum

Meersalz, schwarzer Pfeffer

01-grün  Tomaten waschen und mit einem scharfen Messer die Haut kreuzförmig einritzen. Mit heißem Wasser übergießen und darin etwa eine Minute schwimmen lassen, danach abseihen und eiskalt abschrecken. Die Haut abziehen, Fleischtomaten halbieren, den Saft und die Kerne in eine Schüssel geben und das Fruchtfleisch grob würfeln.

02-grün  Zwiebel fein hacken, Knoblauchzehen schälen und halbieren. In einer beschichteten Pfanne 2 EL Olivenöl erhitzen, Zwiebeln darin auf niedriger Temperatur etwa zehn Minuten glasig dünsten, nach sieben Minuten die Knoblauchzehen hinzugeben. Danach die Tomatenwürfel dazugeben. Den Tomatensaft durch ein feines Sieb geben und so die Kerne abseihen, danach den Saft zur Sauce geben und diese 30-50 Minuten auf mittlerer Hitze köcheln lassen. Dabei immer wieder mit einem Holzkochlöffel die Tomatenstücke zerdrücken.

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Die Sauce mit Meersalz, Pfeffer und gegebenenfalls einer Prise Zucker abschmecken. Büffelmozzarella abtropfen lassen und halbieren. Nudeln sehr bissfest kochen, zwei Schöpfkellen Nudelwasser zur Tomatensauce geben und die Nudeln darin fertig garen. Basilikumblätter in grobe Stücke zupfen und kurz vor dem Servieren unter die Nudeln geben. Auf Tellern anrichten und den kalten Mozzarella obenauf geben. eat it. love it.

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PS:  Das Zeit Magazin hat online in der Rubrik “Sonntagsessen” über uns berichtet! An dieser Stelle also ein “Salut!” an alle neuen Leser, wir freuen uns sehr über euch!

PPS: Die Fotosituation ist bei mir gerade etwas kritisch. Warum genau, darüber informiere ich euch demnächst (Leser meiner Kolumne werden es sich denken können), es sei euch nur so viel verraten: Ich improvisiere viel und ich habe im Moment weder meine hübschen Tellerchen noch meine Dekoutensilien dort, wo ich koche. Aber immerhin, ich koche, und darum geht’s ja…

Spätfrühling, Frühsommer, Spargelschwemme, Grillzeit, egal, eigentlich könnte ich zu dieser Jahreszeit jeden Tag irgendetwas anderes kochen, auf das ich mich schon den ganzen Winter über gefreut habe. In meiner Evernote-Notiz “To Cook” liegen inzwischen so viele Ideen, Links und Rezepte herum, dass ich damit wohl ein ganzes Jahr auskäme. Tatsächlich koche ich dann viel zu selten etwas daraus und ärgere mich, wenn die Saison schon wieder vorbei ist.

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Dieses Jahr kommt mir die Spargel-Erdbeer-Kombination aber nicht aus, dachte ich mir. Endlich mal ein Vorsatz, mit dem es funktioniert hat – und der auf Anhieb ein Erfolg war! Gebratenen grünen Spargel kann ich ohnehin direkt aus der Pfanne naschen, dazu ein paar frische Beeren und Blattsalat, mehr ist da nicht dabei. Schmeckt trotzdem überragend und hat mich vollends von der mehrfach gehypten Kombination überzeugt.

Als Dressing habe ich mich für eine Abwandlung vom Balsamico-Honig-Dressing entschieden – nur eben frühlingshaft mit Holunderblütensirup und einem Schuss Apfelessig, damit die Süße nicht überwiegt. Ein rundum gelungenes Essen zur Spargelschwemme (ha, so nenne ich das jetzt!), das sich als Vorspeise fürs Spargelmenü genauso gut eignet wie als Beilage zum Grillen oder einfach so als Hauptspeise. Dann vielleicht noch ein wenig Halloumi dazu? Okay, hiermit ist der nächste Vorsatz schon gefasst. Ihr seht: Geht schnell bei mir.

als Vorspeise oder Beilage für vier Personen

Blattsalate nach Wahl

400 g grüner Spargel

2 EL Butter

100 g Erdbeeren

3 EL Pinienkerne

1 TL Dijonsenf

2 EL Holunderblütensirup

2 EL Apfelessig

4 EL weißer Balsamicoessig

3 EL Olivenöl

01-grün  Blattsalate putzen und schleudern. Grünen Spargel waschen, an den Enden schälen und ggf. holzige Enden abschneiden. Erdbeeren waschen und trocken tupfen. Pinienkerne in einer beschichteten Pfanne ohne Öl anrösten und zur Seite stellen. Dijonsenf mit Holundersirup und Salz verrühren, danach den Essig hinzugeben und schließlich das Olivenöl unterrühren.

02-grün  In einer beschichteten Pfanne Butter erhitzen. Sobald sie zu Schäumen beginnt, den Spargel hineingeben und mit geschlossenem Deckel (je nach Dicke der Spargelstangen) sechs bis acht Minuten bissfest braten, zwischendurch schwenken und den Spargel wenden. Gebratenen Spargel in Stücke schneiden und mit dem Salat und den Erdbeeren anrichten. Mit dem Dressing beträufeln und mit den gerösteten Pinienkernen bestreuen. eat it. love it.

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