Es gibt so Gerichte, die schmecken einfach göttlich – bei dem Aufwand ist das aber dann auch gerechtfertigt. Andersrum geht das natürlich auch, minimaler Aufwand, wenig oder zumindest unspektakulärer Geschmack. Aber die echten Bringer sind doch eigentlich die Rezepte, die mit dem kleinstmöglichen Aufwand das maximale Geschmacksergebnis erzielen, oder wie seht ihr das? Momentan habe ich wirklich nicht viel Zeit, aber das muss ja nicht heißen, dass ich deshalb zwangsläufig mich nur noch von Take Away-Gerichten oder Schinkenbrot ernähren muss…ich präsentiere euch, die perfekte Vorspeise, die “Aaaahs!” und “Oooohs!” und vor allem ganz viel “Mmmmhmmm…” hervorrufen wird, und euch weder beim Menükochen noch als Snack zwischendurch ins Schwitzen bringt:

Diese Crostini sehen nicht nur fabelhaft aus, sie schmecken auch unfassbar gut. Ich war nach dem ersten Bissen sprachlos, und glaubt mir, das heißt etwas. Dabei waren die Crostini, leicht abgewandelt nach einem Ottolenghi-Rezept, im Nu aus lauter Sachen gemacht, die ich sowieso gerade im Kühlschrank/Vorratsschrank/Obstkorb liegen hatte. Ciabatta vom Vortag, im Ofen mit Pinienkernpaste knusprig gebacken, oben drauf karamellisierte Birnen sowie etwas Ziegenweichkäse, der im Ofen noch einmal leicht anschmilzt – fertig!

für 2 Personen als große Vorspeise oder Snack
1 große, reife Birne
15 g Pinienkerne
1/2 Knoblauchzehe
2 EL Olivenöl
2 große Scheiben Ciabatta
1 TL Zitronensaft
1 TL Zucker
60 g Ziegenweichkäse
Ofen auf 200°C vorheizen. Pinienkerne mit Knoblauch und 1 EL Öl im Mörser oder Mixer zu einer feinen Paste mahlen, gut salzen und pfeffern. Die Ciabattascheiben mit der damit bestreichen und auf mittlerer Schiene im Ofen etwa 10 Minuten backen. Birne waschen und mit der Schale in etwa 1/2 cm dicke Scheiben schneiden. Das Kerngehäuse mit der Messerspitze herausschneiden. Die Birnenscheiben mit Zitronensaft, Zucker, dem restlichen Öl und einer weiteren Prise Salz in einer Schüssel mischen. Den Ziegenkäse in hauchdünne Scheiben schneiden.
Eine Pfanne (im Original: Grillpfanne – ich habe meine unbeschichtete Pfanne verwendet) mit etwas Olivenöl ausstreichen und sehr heiß werden lassen. Die Birnenscheiben hineingeben und von jeder Seite eine Minute anbraten, bis die Scheiben leicht bräunen. Nun Birnen- und Käsescheiben abwechselnd auf das geröstete Brot legen und die Crostini nochmals für drei Minuten im Ofen backen, bis der Käse leicht anschmilzt. Noch warm servieren. eat it. love it.

Für Michi und mich war schon lange bevor wir tatsächlich damit angefangen haben, klar, dass wir Bloggen wollen. Perfektionisten wie wir sind, haben wir uns Monate lang mit der Suche und Anpassung des Layouts aufgehalten und uns so kleine Spielereien wie die Herzchen mit Nummern für die Rezeptanweisungen ausgedacht. Eines Abends haben wir gemeinsam gekocht und unsere erste Fotosession für den späteren Kochblog (der damals noch namenlos war) veranstaltet. Es gab Flammkuchen Hawaii, der sich in eine lange Reihe von Perversionen um das Verunstalten von Klassikern mit Clemens Wilmenrods Konzept vom Toast Hawaii einreiht. Aber was sollen wir sagen, wir stehen einfach auf die Kombination! Und als ich bei meinem Berlinbesuch im Jahr 2009 im Restaurant “Nante’s Eck” einen Flammkuchen Hawaii sah und aß, da war es geschehen. Deshalb ist der Flammkuchen Hawaii quasi ein Startschuss für unsere ernsthaften Blogambitionen gewesen – nun, und schmecken tut er natürlich auch bestens.

Ursprünglich habe ich den Flammkuchen mit einem einfachen Teig ohne Hefe hergestellt, doch als ich das erste Mal einen Flammkuchen nach Nickys Rezept herstellte, wurde dieser nie wieder gemacht. Dennoch war ich nie vollkommen zufrieden mit der Kombination aus süßer Ananas und diesem weißen Teig – irgendwie war der Flammkuchen stets zu süß. Inzwischen habe ich deshalb Nickys Rezept etwas weiterentwickelt und ersetze nun einen Teil des Weizenmehls durch Weizenvollkornmehl. Dadurch wird der Teig wunderbar herb (ja sogar “rustikal”) und bietet der Süße ein tolles Gegengewicht.

für 2 große Flammkuchen
125 g Weizenvollkornmehl
125 g Weizenmehl, Type 550
50 g Roggenmehl, Type 1150
15 g Frischhefe
180 ml lauwarmes Wasser
1/2 TL Meersalz
150 g Kochschinken
1 kleine Dose Ananas
200 g Crème fraîche
50 ml Sahne
Mehle und Salz in einer Rührschüssel mischen, Hefe im lauwarmen Wasser auflösen und in die Mitte der Rührschüssel geben. Mit dem Knethaken einer Küchenmaschine oder von Hand vermengen und mindestens fünf Minuten weiterkneten. Wenn der Teig an den Händen festklebt, lieber noch etwas mehr Mehl hinzugeben, damit der Teig auch nach dem Ruhen nicht klebt. Die Schüssel mit einem sauberen Küchentuch bedecken und den Teig an einem warmen Ort mindestens 1 Stunde gehen lassen. Danach den Teig kurz durchkneten (wenn er wieder oder immer noch kleben sollte, könnt ihr hier nochmal etwas Mehl einarbeiten), in zwei gleich große Kugeln teilen und diese nochmals etwa 30 Minuten gehen lassen. Durch den Vollkornanteil geht der Teig weniger schnell auf als normaler Hefeteig – plant also gegebenenfalls nochmal 30 Minuten zusätzliche Gehzeit ein. Der Teig ist backbereit, wenn er bei leichtem Eindrücken wieder langsam zurückfedert.
Ofen auf höchste Stufe vorheizen. Wenn ihr einen Pizzastein besitzt, diesen auf einem Gitter auf unterster Schiene in den Ofen legen und vorheizen, etwa 30-45 Minuten (je nach Ofen). Ananas abtropfen und ggf. in Stücke schneiden, Schinken in feine Streifen schneiden. Crème fraîche mit Sahne cremig rühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Teigkugeln jeweils zwischen zwei Blättern Backpapier sehr dünn ausrollen. Mit der Creme bestreichen und Ananas und Schinken darauf verteilen. Mit dem Backpapier auf den Pizzastein oder ein Backblech auf unterster Schiene in den Ofen schieben. Nach 8-10 Minuten den Flammkuchen vom Backpapier lösen – klebt er noch sehr fest, einfach noch eine weitere Minute warten. Danach etwa 3-5 Minuten goldbraun fertig backen. eat it. love it.

Flammkuchen Hawaii damals...

...und heute!
Brotbacken die Zweite: mein Sauerteig soll ja nicht umsonst hergezüchtet worden sein, deshalb habe ich Petras Cranberry-Walnuss-Brot nachgebacken. Zwar dauert es drei Tage, bis das Brot fertig ist – dafür schmeckt es einfach köstlich. Die Kruste ist perfekt kross, der Geschmack feinsäuerlich. Solche Brote sind der Grund, warum ich so auf Sauerteig stehe! Ein weiterer Vorteil des Rezepts: ich bin fast komplett mit meinem Handmixer klargekommen, auch ohne kräftige Hände oder eine solide Küchenmaschine ist das Brot also gut umsetzbar.

Ich besitze noch kein Gärkörbchen, in dem man runde Brote so gehen lassen kann, dass sie auch später noch eine schöne Form haben – mein Brot ist deshalb etwas flacher und breiter geworden, war aber immer noch saftig genug. Sicher auch dank der Cranberries. Normalerweise bin ich auch etwas pingelig, was altes Brot angeht – Brot muss für mich frisch sein, und wenn es das nich ist, dann esse ich es nur noch getoasted. Dieses Brot aber war für mich vier, fünf Tage ohne Toasten sehr genießbar. In einer Papiertüte oder einem Brottopf bleibt es auch angeschnitten für längere Zeit frisch und ist somit auch als Brotrezept für Alleinesser geeignet. In diesen fünf Tagen (dann war das Brot nämlich weggefuttert) wurde es gegessen und für gut befunden mit: Butter und Honig, selbstgemachter Erdbeermarmelade, Zwetschgenmarmelade, gekaufter Kirschmarmelade, Entenleberpaté, Kalbsleberstreichwurst, Rosmarinbutter und gekochtem Schinken, und einfach nur mit Butter.
Tag 1
75 g Vollkornweizenmehl
60 ml lauwarmes Wasser
20 g Weizensauerteig
Zutaten in einer kleineren Rührschüssel verrühren, abdecken und acht Stunden/über Nacht bei Zimmertemperatur ruhen lassen.
Tag 2
80 g getrocknete Cranberries
240 ml kochendes Wasser
225 g Weizenvollkornmehl
120 g Weizenmehl, Type 550
20 g Honig
10 g Salz
50 g Walnüsse
Cranberries mit kochendem Wasser übergießen und abgedeckt abkühlen lassen. Danach in einem Sieb abtropfen und dabei das Cranberrywasser auffangen – es sollen insgesamt 240 ml dabei rauskommen, bei mir waren es weniger. Deshalb einfach mit etwas Leitungswasser auffüllen. Das Cranberrywasser zum Sauerteig vom Vorabend gießen, unterrühren und 10 Minuten stehen lassen. Walnüsse grob hacken und mit ein paar Tropfen Pflanzenöl in der Pfanne anrösten und abkühlen lassen.
Mehle in einer großen Rührschüssel mischen, den Sauerteig dazugeben und mit dem Handmixer auf niedriger Stufe kurz verrühren. Abdecken und 20 Minuten ruhen lassen. Auf niedriger Stufe weiterkneten, Honig und Salz zugeben und auf höherer Stufe zwei Minuten durchkneten. Wieder abgedeckt für 30 Minuten ruhen lassen. Auf einer bemehlten Fläche den Teig zu einem Rechteck ziehen oder drücken. Die Cranberries darauf verteilen und das untere Drittel nach oben und das obere Drittel darüber falten, wie einen Flyer. Den Teig wieder zu einem flacheren Rechteck auseinanderziehen, die Walnüsse darauf verteilen und nochmal so falten. Abdecken und wieder 30 Minuten ruhen lassen, danach die Faltprozedur zweimal wiederholen und den Teig in eine geölte Schüssel legen. Abgedeckt über Nacht im Kühlschrank gehen lassen.
Tag 3
Teig aus dem Kühlschrank holen und 1 Stunde 40 Minuten bei Zimmertemperatur gehen lassen. Auf eine bemehlte Fläche stürzen und nochmal fünf Minuten ruhen lassen. Nun entweder in einen bemehlten Gärkorb leben oder eine etwas flachere, runde Schüssel mit einem sauberen Küchentuch auslegen, gut bemehlen und den Teig dort hineinlegen. Abgedeckt bei Zimmertemperatur etwa 3 Stunden gehen lassen. Etwa eine halbe Stunde vor Ende der Gehzeit den Backofen auf mittlerer Schiene auf 240°C vorheizen, am besten mit einem Pizzastein. Einen Pizzaschieber oder ein flaches Holzbrett mit Grieß bestreuen, das Brot darauflegen und damit auf den Stein schieben. Mit einer Sprühflasche in den ersten fünf Minuten vier Mal ein paar Sprüher Wasser in den Backofen (nicht auf das Brot!) sprühen. 15 Minuten backen, dann die Temperatur auf 200°C reduzieren, nochmal 30 Minuten backen, mit Alufolie abdecken und weitere 10-15 Minuten backen, danach 10 Minuten im ausgeschalteten Ofen lassen. Die Kruste wird recht dunkel, dennoch solltet die Brotunterseite beim draufklopfen hohl klingen. Wenn das nicht so ist, einfach weiterbacken. eat it. love it.

Als ich bei Annie’s Eats das Rezept für eine Strawberry Balsamic Bacon Pizza gesehen habe, war es um mich geschehen: die Kombination mit Speck und Zwiebeln klang einfach so verdächtig nach Flammkuchen, dass ich ganz froh war, nicht erst zwei Tage lang einen Pizzateig ansetzen zu müssen.

Das ausgezeichnete Flammkuchen-Rezept von Nicky ist inzwischen fester Bestandteil unseres Speiseplans hier geworden, und ihr Teig schmeckt wunderbar herzhaft und ist außerordentlich unkompliziert. Für die Kombination Erdbeere-Balsamico-Speck-Zwiebel wurde ich zunächst von den Mitessern skeptisch beäugt, im Nachhinein waren sie jedoch begeistert. Und durch das Weglassen von Crème fraîche ist dieser Flammkuchen deutlich weniger mächtig als in der Elsässer Variante.
für 2 Flammkuchen
250 g Weizenmehl Type 550
50 g Roggenmehl Type 1150
1/2 TL Meersalz
175 ml lauwarmes Wasser
15 g Frischhefe
1 EL Olivenöl
120 ml dunkler Balsamico
180 g Erdbeermarmelade
1 Zweig Rosmarin
1 EL Chilisauce (nicht Sweet Chili!)
1 mittelgroße rote Zwiebel
1 Kugel Mozzarella
100 g gewürfelter Katenschinken oder Speck
8-10 Erdbeeren
Mehl und Salz in einer Rührschüssel mischen, Hefe im lauwarmen Wasser auflösen und mit dem Olivenöl in die Mitte der Rührschüssel geben. Mit dem Knethaken einer Küchenmaschine oder von Hand vermengen und mindestens fünf Minuten weiterkneten. Wenn der Teig an den Händen festklebt, lieber noch etwas mehr Mehl hinzugeben, damit der Teig auch nach dem Ruhen nicht klebt. Die Schüssel mit einem sauberen Küchentuch bedecken und den Teig an einem warmen Ort mindestens 45 Minuten gehen lassen. Danach den Teig kurz durchkneten (wenn er wieder oder immer noch kleben sollte, könnt ihr hier nochmal etwas Mehl einarbeiten), in zwei gleich große Kugeln teilen und diese nochmals etwa 30 Minuten gehen lassen.
Ofen auf höchste Stufe vorheizen und das Gitter auf der untersten Schiene einhängen. Wenn ihr einen Pizzastein besitzt, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt, ihn zu benutzen! Stein auf das Gitter legen und mit vorheizen, etwa 30-45 Minuten (je nach Ofen). Für den Belag Balsamico mit dem Rosmarin in einem kleinen Topf aufkochen und etwa 5 Minuten auf mittlerer Hitze einreduzieren lassen. Marmelade unterrühren und mit der Chilisauce und etwas Salz abschmecken. Die Erdbeeren putzen und würfeln, ebenso den Mozzarella würfeln und die Zwiebel in hauchdünne Ringe schneiden.
Pro Flammkuchen eine Teigkugel hauchdünn zwischen zwei Blättern Backpapier ausrollen. Die obere Lage Backpapier abziehen und dünn mit der Erdbeer-Balsamico-Sauce bestreichen. Mozzarella darauf verteilen und mit Zwiebeln, Speck und Erdbeeren belegen. Geizt nicht mit den Zwiebeln und dem Speck, die braucht man definitiv als Gegengewicht zur Süße der Erdbeeren. Mit dem Backpapier auf das Gitter oder den Pizzastein legen und den Ofen auf Umluft schalten. Nach etwa fünf Minuten den Flammkuchen im Ofen vom Backpapier lösen – klebt er noch fest, dann versucht es in einer Minute noch einmal. Insgesamt etwa 10 Minuten goldbraun backen. eat it. love it.

Zu Weihnachten habe ich “Die Backbibel” geschenkt bekommen, ein Buch rund ums Backen – vor allem Brot, aber auch Quiche, Pizza, Plunderteilchen, Croissants und Kuchen sind im Buch mit drin und ich bin hin und weg davon. Eine nähere Rezension möchte ich euch demnächst liefern, deshalb komme ich gleich zum wichtigsten Teil an der Sache: ich habe selber Sauerteig angesetzt, um meine eigenen Baguettes backen zu können. Das Grundprinzip: man mischt Wasser und Mehl und lässt das einfach stehen. Der normale Mensch denkt nun, dass das doch schimmeln muss – tut es aber nicht. Denn wenn man jeden Tag erneut Wasser und Mehl dazu gibt und den Teig damit “füttert”, füttert man damit vor allem eine gesunde und gute Bakterienkultur, die den Teig irgendwann aufgehen lassen soll. Im Internet habe ich Anleitungen zum Züchten von Sauerteig gefunden, die drei Tage oder vielleicht eine Woche vorsehen. Als ich dann aber in der Backbibel nachgeschaut habe, habe ich wohl ziemlich verdattert geguckt: die beiden Autoren züchten Sauerteig nämlich drei Wochen heran. Drei. Wochen. Erst dann wird damit gebacken.

Ihr könnt euch vorstellen, wie bedröppelt ich nach dieser Erkenntnis vorm Weihnachtsbaum saß, mit meinem Buch mit tollen Fotos von leckerem Brot darin und der Aussicht, frühestens in drei Wochen damit loslegen zu können. Aber es half nichts, die Internetrecherche ergab nämlich auch, dass so ziemlich alle Rezepte in diesem Buch fantastisch sein mussten. Also begann für mich am zweiten Weihnachtsfeiertag Tag 1 auf meinem Sauerteigfütterungsplan. Man beginnt mit einer Mischung von 50 Gramm Weizenmehl (Type 550) mit 50 ml Wasser, gibt am nächsten Tag 100 Gramm und 100 ml dazu und am dritten Tag 200 Gramm und 200 ml. An Tag 4 wird nur mit 100 Gramm vom angesetzten Teig weitergemacht, dieser wieder mit 50, 100 und 200 Gramm gefüttert und dann schließlich an Tag 7 wieder reduziert. Ihr seht, wenn man einen Sauerteig heranzüchtet, schmeißt man also ziemlich viel weg.
Aber durchhalten Leute, ich würde keinen Blogpost machen und euch nicht dazu auffordern, das so zu machen, wenn es sich nicht bei mir gelohnt hätte! An Tag 18 geschah nämlich ein Wunder. Die Tage davor hat der Teig einige Zeit nach der Fütterung bereits munter Blasen geschlagen, es hat manchmal auch direkt vor meinen Augen geblubbt und man konnte die Arbeit der Milchsäurebakterien geradezu riechen. Am Morgen nach Tag 18 sehe ich in der Küche jedoch das Malheur: der Teig ist so stark aufgeschäumt, dass er über den Rand seines Plastikgefäßes gelaufen ist. Die Bakterienkultur schien also endlich den Stadtstatus erreicht zu haben und ich konnte an Tag 23 loslegen. Nach einer letzten 200 Gramm-Fütterung an Tag 21 füttert man nämlich den Teig am kommenden Tag insgesamt drei Mal (im Abstand von jeweils etwa acht Stunden), nach dem gleichen 50-100-200-Schema und hat schließlich 800 Gramm backfertigen Sauerteig vor sich stehen.
Der Sauerteig lebt immer noch und wartet ständig auf neue Backabenteuer. Bisher ist er jedoch nur für diese leckeren Baguettes in Aktion getreten, das dafür umso häufiger:

Baguettes
550 g Sauerteigstarter
1 1/2 EL Meersalz
700 g Weizenmehl (Type 550)
10 g frische Hefe
275 ml Wasser
Hefe zerkrümeln und mit dem Starter, Mehl und Wasser in einer großen Schüssel mit einem Kochlöffel locker zu einem Teig verrühren. Diesen dann 10 Minuten mit der Hand kneten, mit Frischhaltefolie abdecken und 20 Minuten ruhen lassen. Danach das Salz über den Teig streuen, 5 Minuten kneten, 10 Minuten ruhen lassen und nochmal 5 Minuten kneten. Glücklich ist, wer hier eine starke Küchen- oder Brotbackmaschine hat: dann einfach alle Zutaten in die Maschine geben und zunächst 4 Minuten auf langsamer Stufe und danach 5 Minuten auf höchster Stufe kneten. Danach den Teig 20 Minuten ruhen lassen und eine weitere Schüssel leicht einölen, den Teig in die Schüssel legen und mit einer Frischhaltefolie abdecken. Etwa 1 Stunde bei Zimmertemperatur gehen lassen.
Den Teig auf einer bemehlten Fläche zu einem Rechteck ausrollen (etwa 2,5 cm Dicke) und die äußeren Drittel jeweils zur Mitte hin falten und übereinanderschlagen. Danach den Teig um 90 Grad drehen und wieder die beiden äußeren Drittel übereinanderfalten. Danach kommt der Teig zurück in die Schüssel und muss noch einmal 1 Stunde gehen. Den Teig in fünf Teile, je etwa 300 Gramm schwer, teilen und zu Kugeln formen. Auf einer bemehlten Fläche nochmals 20 Minuten ruhen lassen.
Eine Teigkugel zu einem langgezogenen Rechteck vorsichtig auseinanderziehen und wieder die äußeren Drittel zur Mitte hin übereinanderschlagen. Dieses neue Rechteck wieder quer legen und die obere Kante nach innen einschlagen, so oft, bis ein gleichmäßiger Strang mit einer geradegezogenen Saumlinie entsteht. Dabei die Enden immer gut verschließen, auch an den Seiten, sodass die Luft irgendwann knallartig aus dem Teigstrang entweicht. Diesen Strang nun mit den Händen gleichmäßig ausrollen, bis das Baguette etwa 30 cm lang und 5 cm breit ist. Mit den anderen Teigkugeln genau so verfahren.
Ein sauberes Küchenhandtuch auf ein großes Brett oder Blech legen und großzügig bemehlen. Die Teigrollen nebeneinander auf das Tuch legen und zwischen den Rollen jeweils etwas Stoff aufschlagen, sodass das Küchentuch die Teiglinge voneinander trennt. Die Teiglinge entweder mit einer Plastiktüte bedecken oder mitsamt des Bretts in eine große Plastiktüte stecken und darin 30 Minuten an einem warmen Ort (die Autoren schlagen etwa 25°C vor) gehen lassen.
Währenddessen den Ofen auf die höchste Stufe vorheizen. Wenn ein Pizza-/Backstein verwendet wird, entsprechend früher den Ofen und den Stein vorheizen. Nach dem letzten Gehen werden die Teiglinge mit einem scharfen Messer typisch schräg eingeschnitten, wie man es von Baguettes kennt, etwa fünfmal pro Baguette. Die Baguettes mit dem Saum nach unten auf den Backstein oder ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen und in den Ofen schieben. Mit einer Sprühflasche vier bis fünf Sprühstöße Wasser in den Ofen (nicht auf die Baguettes!) sprühen und schnell die Türe schließen. Die Temperatur etwas reduzieren, bei mir haben ca. 200°C ausgereicht. Nach 10 Minuten einen Blick in den Ofen werfen und die Baguettes drehen und gegebenenfalls umschichten, danach weitere 10-15 Minuten backen. eat it. love it.
Bereits seit Beginn unserer kleinen Serie zu verschiedenen Bagelvariationen war uns klar, dass dieser Beitrag auf gar keinen Fall fehlen darf. Denn leider haben Aldi und Lidl nicht immer amerikanische Wochen und der Weg zu gigantomanischen Supermärkten (“einmal hin, alles drin”…) ist auch selten kurz. Deshalb hier ein, schon länger überfälliges, Rezept, wie man Bagels selbst macht. Ich habe mich bereits vor ein paar Jahren mal daran versucht, habe mir dabei sogar einen Mikroquadratometer meiner Haut mit Natronlauge verätzt, und dennoch war’s nix. Als ich dann bei smitten kitchen ein Bagelrezept fand, musste ich das unbedingt ausprobieren. Der Blog wird von einer New Yorkerin betrieben, die ihr Rezept von Peter Reinhart hat – und der scheint so etwas wie ein Back-Guru in den USA zu sein. Die perfekte Mischung, um richtig gute Bagels zu zaubern!

Ich habe das Rezept halbiert und daraus kleine Mini-Bagels gemacht. Zum einen kann man so verschiedene Bagelbeläge ausprobieren, eine Bagelparty feiern oder sich einfach an diesen putzigen kleinen Teilchen erfreuen, weil sie eben so klein und putzig sind. Ich habe mich also an die Angabe im Rezept gehalten und 12 kleine Mini-Bagels aus dem Teig geformt – euch steht es natürlich frei, daraus auch sechs sehr große oder acht normale Bagels zu formen.
1/2 TL Trockenhefe
280 g Mehl (Type 550)
290ml lauwarmes Wasser
1/4 TL Trockenhefe
280 g Mehl (Type 550) + 150 g Mehl (Type 550)
1/2 EL Malzsirup
1 EL Malzsirup
1 EL Natron
ca. 2,5 Liter Wasser
1/2 TL Hefe mit 280 g Mehl verrühren und eine Mulde hineindrücken. Wasser hineingeben und mit dem Rührgerät nur so lange rühren, bis sich ein glatter, klebriger Teig von der Konsistenz eines Pfannkuchenteigs bildet. Die Schüssel mit einem sauberen Geschirrtuch abdecken und an einem warmen Ort etwa zwei Stunden gehen lassen. Der Teig sollte sehr schaumig aussehen, sich fast verdoppelt haben und zusammenfallen, sobald ihr die Schüssel auf die Arbeitsplatte schlagt.
1/4 TL Trockenhefe hinzufügen, danach etwa nochmals 100 g Mehl, Salz und 1/2 EL Malzsirup dazugeben. Mit dem Knethaken verrühren, dabei die restlichen 50 g Mehl unterrühren. Den Teig mit dem Knethaken etwa sechs Minuten durchkneten (alternativ: mindestens zehn Minuten von Hand), gegebenenfalls Wasser oder Mehl noch dazugeben.
Den Teig in 12 gleich große Teile aufteilen und daraus Kugeln formen. Diese auf ein bemehltes Brett legen und mit einem feuchten Küchentuch belegen. Nochmals 20 Minuten gehen lassen. Danach die Bagels formen und das Loch in der Mitte entweder mit einem Finger oder einem bemehlten Kochlöffelstiel hineinstechen und in kreisenden Bewegungen weiten. Die geformten Bagels für weitere 20 Minuten gehen lassen.
Währenddessen den Backofen auf 220°C vorheizen und einen großen Topf mit etwa 3 Litern Wasser zum Kochen bringen. Natron und einen EL Malzsirup hinein geben. Die Bagels mit einer Schaumkelle in das leise köchelnde Wasser legen, nach einer Minute umdrehen und noch eine Minute darin ziehen lassen. Mit der Schaumkelle herausholen und nach Geschmack mit Körnern bestreuen. Wenn alle Bagels im Wasser waren, diese auf Backblechen verteilen und für etwa 10 Minuten im Ofen backen. eat it. love it.

An und für sich bekommt man die Zutaten alle im Supermarkt, wäre da nicht das Malzsirup. Oder alternativ das Malzpulver. Oder überhaupt malziges, das den Bagels ihren unverwechselbaren Geschmack geben sollte. Ich habe mich auf die Suche begeben und wurde in keinem herkömmlichen und auch nicht im Bio-Supermarkt fündig. Im Reformhaus schließlich aber schon, dort gibt es Gerstenmalzsirup im Glas zu kaufen!



